KIRCHE HILFT ARMENIEN

«Was muss werden?»

Alle Menschen verdienen Schutz. Und doch ist Armenien etwas Besonderes: Das älteste christliche Land der Welt ist eine liberale Demokratie mit echten Bürgerrechten, inmitten einer geopolitischen Umgebung, welche für unterdrückerische Regimes bekannt ist.

Der am 27. September 2020 ausgebrochene Karabachkrieg trägt Züge jener historischen Christenverfolgung, deren Vorgeschichte über den türkischen Armeniergenozid 1915 hinausreicht. Die Armenier werden wegen ihrer sprichwörtlichen tausendjährigen Verfolgung auch als «das Volk der Leidenden» betitelt.

Demokratisches Bildungsbürgertum

Wie gestaltet sich das Verhältnis Staat und Religion? In der Epoche des Säkularismus wird die Religion zur Privatsache degradiert. Wertende Vergleiche zwischen der Demokratiefähigkeit verschiedener Religionen führen rasch ins politische Abseits. Tatsächlich ist dieses Terrain heikel. Und dennoch ist es ein Trugschluss, wenn deshalb gar nicht mehr über die realen politischen Konsequenzen nachgedacht wird, wenn in manchen Regionen dieser Erde christliche Gesellschaften derart brutal verfolgt werden, dass sie ganz zu verschwinden drohen.   

Natürlich haben die Kirchen ein langes Sündenregister und sind keineswegs Garanten für Demokratie. Dennoch war es in der Geschichte für unzählige Menschen offensichtlich, dass das Evangelium weder eine Diktatur noch die systematische Missachtung der humanistischen Menschenrechte tolerieren kann. Es waren christliche und aufklärerische Motive, welche zur Abschaffung von Sklaverei und Todesstrafe geführt haben (Abolitionismus).

«Der Liberalismus ist in seinem Wesen nicht ein Abfall vom Christentum, sondern sein legitimes geistiges Kind.» (Wilhelm Röpke, 1899 – 1966)

Freiheit und Verantwortung sind zwei Grundelemente, die sowohl die christliche Überzeugung als auch eine liberale politische Philosophie prägen. Trotz Ambivalenzen des Verhältnisses von Christentum und Demokratie gibt es Gründe dafür, dass gerade überzeugte Christen die säkulare Demokratie gefördert haben. Von den 88 Ländern, die „Freedom House“ an der Schwelle zum 21. Jahrhunderts als „frei“ einstufte, waren allein 79 mehrheitlich christlich geprägt.

Der indische Autor Vishal Mangalwadi propagiert in seinem viel beachteten und durchaus umstrittenen „Buch der Mitte“: «Wenn wir unser christliches Erbe aufgeben, wird weder linke noch rechte Politik uns helfen können, weil eine rein humanistische, gottlose Ethik keine Stabilität schaffen kann. Unser Staat braucht zwingend die Verankerung in einer orientierungsgebenden biblischen Wahrheit, die über dem Zeitgeist und philosophischen Strömungen steht. 

Noch profitieren wir davon, dass unsere Verfassung, unser Grundgesetz sowie unsere soziale Marktwirtschaft in phantastischer Weise das biblische Menschenbild und die biblischen Werte berücksichtigen. Unsere Verfassung garantiert, dass niemand unkontrollierte Macht bekommt und dass niemand Andere ausbeuten kann. Christen, die der Bibel vertrauen, können deshalb gar nicht anders als überzeugte Demokraten und Fans unserer Verfassung sein.» (Quelle)

Auch wenn dieser Meinung Verblendung oder Einseitigkeit vorgeworfen werden kann, so kann ihr eine grundsätzliche Wahrheit doch abgesprochen werden. Thesen, dass unter allen Weltreligionen das Christentum die liberale Demokratie ganz besonders fördert, sind zwar zurecht umstritten, aber gleichzeitig auch nicht falsch. Ganz im Stil der «Pascalschen Wette» lohnt es sich aus der Sicht einer säkular-humanistischen Staatsphilosophie aus Gründen der Vernunft ganz besondere Sorge zu christlichen Gesellschaften, die in Not sind, zu tragen.  

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